Rechenbeispiel: Fahrtenbuch oder Ein-Prozent-Methode

Sie wollen die Versteuerung Ihres Firmenwagens so günstig wie möglich angehen und wissen nicht wie? Im ersten Schritt ist zu überprüfen, ob es sich für Sie mehr lohnt mit der 1%-Methode oder mit dem Fahrtenbuch zu versteuern.

Sobald Sie einen Firmenwagen auch für private Fahrten nutzen, entsteht für Sie ein geldwerter Vorteil, der einem Gehaltszuschlag gleichkommt. Aus diesem Grund müssen Sie den privaten Anteil der getätigten Fahrten versteuern – da drückt der Fiskus kein Auge zu. Ihr Fahrzeug kann entweder durch die pauschale Ein-Prozent-Methode oder nach den tatsächlichen Kilometern, deren Nachweis mithilfe eines Fahrtenbuchs erfolgt, versteuert werden.
Doch welche Variante lohnt sich nun für Sie?

Die folgenden Beispiele sollen Ihnen dabei helfen, die Versteuerungsmethode besser nachzuvollziehen.

Die Ausgangssituation:

Herr Meier hat von seinem Arbeitgeber einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt bekommen. Der Bruttolistenpreis des Fahrzeugs beträgt 44.400 Euro. Da Herr Meier den Wagen gebraucht gekauft hat, ist der tatsächliche Anschaffungspreis etwas niedriger und liegt bei 38.500 Euro. Herr Meier fährt pro Jahr etwa 15.000 Kilometer mit seinem Firmenwagen. Von den getätigten Fahrten sind zu etwa 15 Prozent privat. Der tägliche Arbeitsweg, den Herr Meier von der Wohnung bis zur ersten Tätigkeitsstätte zurücklegt, beträgt 15 Kilometer. Er arbeitet 230 Tage im Jahr – jeden Tag davon fährt er mit dem Dienstwagen zum Büro. Herr Meier verdient jährlich 53.000 Euro, daher liegt sein Grenzsteuersatz, mit dem berechnet wird nach welchem Prozentsatz Einkommen versteuert wird, bei 42 Prozent. Wäre das Einkommen höher, würde dementsprechend auch ein höherer Prozentsatz versteuert werden.

Die zur Berechnung relevanten Fakten von Herr Meier im Überblick:

  • Bruttolistenpreis: 44.400 Euro
  • Tatsächlicher Anschaffungswert: 38.500 Euro
  • Jährlich gefahrene Kilometer: 15.000 Kilometer
  • Privatanteil der Fahrten: 15%
  • Arbeitsweg: 15 Kilometer
  • Arbeitstage: 230
  • Grenzsteuersatz: 42%

Option 1: Pauschale Berechnung nach der Ein-Prozent-Methode

Schritt 1:

Der jährliche pauschale Nutzungswert berechnet sich aus:
12 Monate multipliziert mit 1% multipliziert mit dem Bruttolistenpreis des Fahrzeugs.

Das heißt für Herrn Meier:

12 Monate x 1% x 44.400 Euro = 5.328 Euro

Schritt 2:

Zusätzlich wird der jährliche Nutzungswert berechnet, der durch den Arbeitsweg – also Fahrten von der Wohnung ins Büro – entsteht. Für diese Fahrten wird ein Pauschalwert von 0,03% angesetzt. Es wird wie folgt gerechnet:
12 Monate multipliziert mit 0,03% multipliziert mit dem Bruttolistenpreis des Fahrzeugs multipliziert mit den Entfernungskilometern zwischen Wohnung und Arbeitsplatz.

Das heißt für Herrn Meier:

12 Monate x 0,03% x 44.400 Euro x 15km = 2.398 Euro

Schritt 3:

Im dritten Schritt werden nun noch die Werbungskosten, die sich aus dem Arbeitsweg ergeben, berechnet.
Diese ergeben sich aus der Anzahl der jährlichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz multipliziert mit den Entfernungskilometern zwischen Wohnung und Arbeitsplatz multipliziert mit den 30 Cent Entfernungspauschale.

Das heißt für Herr Meier:

230 Tage x 15km x 30 Cent = 1.035 Euro

Ergebnis:

Zur Berechnung des Steuerbetrags, der letztendlich gezahlt werden muss, werden nun die Ergebnisse aus Schritt 1 und Schritt 2 addiert, der Betrag aus Schritt 3 abgezogen und der Anteil des Grenzsteuersatzes berechnet.

Das heißt für Herrn Meier:

5.328 Euro + 2.398 Euro – 1.035 Euro = 6.691 Euro
6.691 Euro x 0,42 = 2.810,22 Euro

Folglich liegt der nach der Ein-Prozent-Methode zu zahlende Steuerbetrag von Herr Meier bei rund 2.810 Euro jährlich.

Option 2: Berechnung mit dem Fahrtenbuch

Schritt 1:

Die Berechnung des jährlichen individuellen Nutzungswerts ergibt sich aus dem Anteil der privat gefahrenen Kilometer an den Gesamtkilometern multipliziert mit allen durch die Fahrzeughaltung und –nutzung angefallenen Kosten.

Die angefallenen Kosten beinhalten dabei:

  • Abschreibung (16,67% des tatsächlichen Anschaffungswerts)
  • Betriebskosten (z.B. Kraftstoffkosten, Öl, Wagenwäsche)
  • Fixkosten (z.B. Versicherungen, KFZ-Steuer, Parkgebühren)
  • Werkstattkosten (Ölwechsel, Verschleißreparaturen)

Basierend auf öffentlich einsehbaren Daten der Automobilhersteller oder vom ADAC lassen sich die verschiedenen Kostenpositionen recht genau schätzen.

Das heißt für Herr Meier:
Abschreibungen 6.417 €
Betriebskosten 1.392 €
Fixkosten 1.680 €
Werkstattkosten 840 €
_______________________
Summe 10.329 €

15% x 10.329 € = 1.549 €

Schritt 2:

Im zweiten Schritt wird der Nutzungswert berechnet, der durch die Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz entsteht:
Der Nutzungswert entsteht durch die Multiplikation der Anzahl der Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz mit dem Anteil der Arbeitswegkilometer an den Gesamtkilometern und allen durch die Fahrzeughaltung und –nutzung angefallenen Kosten.

Das heißt für Herrn Meier:

230 Tage x (230 Tage x 15 km / 15.000 km) x 10.329 € = 2.376 €

Schritt 3

Abgezogen werden nun im dritten Schritt, wie bei der pauschalen Versteuerung, die Werbungskosten, die sich aus den Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz ergeben. Diese berechnen sich aus Anzahl der jährlichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit multipliziert mit den Entfernungskilometern zwischen Wohnung und Arbeitsplatz multipliziert mit 30 Cent.

Das heißt für Herrn Meier:

230 Tage x 15 km x 30 Cent = 1.035 €

Ergebnis

Um den finalen Wert des individuellen Nutzungswerts zu berechnen muss jetzt nur verrechnet werden.

Das heißt für Herr Meier:

1.549 € + 2.376 € – 1.035 € = 2.890 €
2.890 € x 42% = 1.214 €

Bei einem Grenzsteuersatz von 42% zahlt Herr Meier bei einer Berechnung des individuellen Nutzungswerts aufgerundet 1.214 Euro Steuern jährlich.

Das Fazit

Entscheidet sich Herr Meier für die Versteuerung seines Firmenwagens per Ein-Prozent-Pauschale muss er jährlich 2.810 Euro an Steuern zahlen. Nutzt er ein Fahrtenbuch zur Berechnung des individuellen Nutzungswerts muss er lediglich 1.214 Euro zahlen. Das Fahrtenbuchführen kann sich also durchaus lohnen.

Praxistipp: elektronische Fahrtenbücher sparen viel Zeit und Ärger mit dem Finanzamt.

Um zu testen, ob sich ein Fahrtenbuch auch für Sie lohnt, können Sie Ihre Steuerersparnis mit dem Firmenwagenrechner berechnen.

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